Galerieausstellung 1. Quartal 2018

 

Carl Sebastian Lepper

Kunstmaler in zweiter Generation

Carl Sebastian Lepper wurde 1968 in Engensen, einem kleinen Ort nordöstlich von Hannover, als Sohn des Kunstmalers Heinz Jürgen Lepper-Menzinger geboren. Da ein Kunstmaler – im Gegensatz zu Menschen in anderen Berufen – in der Regel zu Hause arbeitet, ist ein Vater mit diesem Beruf seinen Kindern von der Wiege an sehr präsent. Diese Konstellation blieb auch für den kleinen Carl Sebastian nicht ohne Wirkung. Von Kindesbeinen an stand ihm mit seinem Vater das Berufsbild des Kunstmalers sozusagen tagtäglich vor Augen. Der malte, sortierte Bilder, verhandelte mit Kunsthändlern und lebte mit seiner Kunst.

Carl Sebastian Lepper selbst berichtet mit einem Augenzwinkern, dass er bereits als Vierjähriger „Feuer gefangen“ habe. Im Atelier seines Vaters hatte er ein kleines braunes Fläschchen auf dem Schreibtisch entdeckt. In der Meinung, es sei Coca-Cola, nahm er einen vorsichtigen Schluck, um die Flüssigkeit aber gleich wieder auszuspucken: es war Terpentin. Seitdem – so Carl Sebastian Lepper – habe er Terpentin im Blut!

Und das zeigte bereits in den ersten Schuljahren seine Folgen: Carl Sebastian malte und malte und malte. Und auch in späteren Jahren zog sich der Drang zum Malen durch sein Leben. Bereits als 14- oder 15-Jähriger hat Carl Sebastian Lepper ein erstes Bild an einen Galeristen verkauft, der eigentlich in Verhandlung mit seinem Vater gestanden hatte.

Nichts war folgerichtiger als das nach der Schulzeit in Hildesheim absolvierte Grafik-Design-Studium. Nach dem Studienende begann Carl Sebastian Lepper ein Leben als freischaffender Kunstmaler, der von Anfang an mit seiner Kunst seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Er war tatsächlich damit in die Fußstapfen seines Vaters getreten. 2001 löste sich Carl Sebastian Lepper dann vollständig von seiner Heimat und zog nach Hamburg, in dessen Peripherie er seitdem lebt und arbeitet.

Es ist aber nicht nur die Liebe zur Malerei, sondern auch die Liebe zu exotischen Autos, die der Vater in seinen Sohn hineingepflanzt hat. Carl Sebastian Leppers Augen leuchten, wenn er von dem 1967er Cadillac erzählt, den sein Vater damals für die Familie gekauft hatte: nach vorne geneigte Fahrzeugfront, gewaltiger Kühlergrill, Doppelscheinwerfer, lange strukturierte Karosserielinie und große Heckflossen. So fuhr die Familie Lepper damals zum Einkaufen nach Hannover – mit Carl Sebastian auf der Rückbank!

Und es waren in späterer Zeit wiederum amerikanische Autos, die Carl Sebastian Lepper faszinierten – nämlich auf mehreren seiner USA-Reisen, auf denen ihn nicht nur die Autos in diesem Land beeindruckten. Vielmehr war Carl Sebastian Lepper begeistert von der weiten amerikanischen Landschaft, von den dort lebenden Menschen, von dem scheinbar besonderen Licht, der Freiheit und der Großformatigkeit in diesem Land.

Viele seiner Bilder zeigen deshalb einen Hauch dieses eigentlich aus den 60er und 70er Jahren stammenden Amerika. Und vor allem reißt die besondere Verbindung zu Autos in seinen Bildern nie ab - sei es nun der immer wiederkehrende VW Bus, ein Porsche oder auch ein künstlerisch abgewandelter Mercedes-Rennwagen mit einem Schlauchboot auf dem Heck.

Und Carl Sebastian Lepper hat nicht nur Amerika bereist, sondern auch Mexiko, Thailand, die Seychellen und viele andere Gegenden dieser Welt. Er ist ein Augenmensch. Mit seinen Augen hat er diese so vielfältige und faszinierende Welt erobert und in sich aufgenommen. Und mit seinen den Pinsel haltenden Händen gibt er uns diese Welt zurück, so farbig und positiv, wie er sie erlebt hat – mit Strandleben, Palmen, jungen Menschen, hübschen Mädchen, grandiosen Autos und vielen Szenen mit einem VW Bus.

Von allen Künstlern, die wir über die Jahre in unserer Galerie Wilhelminenhaus ausgestellt haben, ist Carl Sebastian Lepper einer der ganz wenigen, die von ihrer Kunst vollständig leben können. Seine Bilder verkaufen sich. Das liegt natürlich in erster Linie am Künstler selbst – aber genauso auch an seinen Käufern - den Menschen also, die seine Bilder bei sich zu Hause aufhängen. Und das sind irgendwie wir alle.

Denn die Bilder von Carl Sebastian Lepper geben uns etwas. Dies kann eine Erinnerung an einen schönen Urlaub sein, genauso wie unsere Vorstellung von fernen Ländern unter Palmen. Wir freuen uns an den Autobildern und denken beim Betrachten der meist alten Autos vielleicht an unsere eigene Jugend.

Und man kann gedanklich noch ein Stück weitergehen: in unserer Epoche, in der sich zeitgenössische Kunst vielfach mit dunklen Themen beschäftigt – den dunklen Seiten der Welt an sich – z. B. schockierende Antikriegsbilder – oder auch den dunklen Seiten in uns selbst – siehe „Der Schrei“ von Edvard Munch oder „Der Geistkämpfer“ von Ernst Barlach –  stellen die Bilder von Carl Sebastian Lepper gewissermaßen einen Gegenpol des Positiven dar - mit ihrer Mut machenden Ausstrahlung, ihren Farben und ihren positiven Motiven.  

Am Ende läßt es sich an den Autos festmachen. Ein alter Cadillac ist eben vor allem etwas Faszinierendes und erinnert uns an selige Zeiten, in denen es Dieselskandal und Fahrverbote wegen überschrittener Luftwerte noch nicht gab. Ein Hauch von verlorenem Paradies…